Eine Beobachter Position errichten
Anleitung zur Errichtung eine festen Innenweltposition
Einleitung
Um in den folgenden Übungen bewusst in deiner Innenwelt präsent zu bleiben, richten wir eine stabile Beobachterposition ein. Sie gibt dir einen klaren Bezugspunkt, von dem aus du deinen inneren Raum und die darin auftauchenden Inhalte wahrnehmen kannst. In diesem Abschnitt erfährst du, was diese Position ausmacht und wie du sie Schritt für Schritt aufbaust, einnimmst und stabilisierst.
Beobachterposition

Was ist eine Beobachterposition?
Wenn du die Außenwelt wahrnimmst, erlebst du sie aus einer bestimmten Bezugsperspektive. Dabei kann es sich so anfühlen, als wäre dein Ich zwischen deinen Augen positioniert und würde von dort aus in die Welt schauen. Dies ist deine aktive, auf die Außenwelt gerichtete Beobachterposition.
Der Beobachter ist dabei eine von deinem Bewusstsein angetriebene zweite Perspektive, die du aktiv aufrechterhältst. Während du deine Kernposition als Beobachter im Außen beibehältst, richtest du eine zweite Position ein, die nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet ist.
Mit einer Beobachterposition bezeichne ich in diesen Übungen eine bewusst eingenommene Perspektive innerhalb deiner Innenwelt. Sie gibt dir einen räumlichen Bezugspunkt, von dem aus du den inneren Raum und die darin auftauchenden Inhalte wahrnehmen kannst. Zu dieser Position gehören dein erlebter Standort, deine Blickrichtung und die emotionale Haltung, mit der du dem Geschehen begegnest.
Stellst du dir beispielsweise eine Kerze in einem Raum vor, kannst du erkunden, aus welcher Entfernung und auf welcher Höhe du sie siehst. Damit wird auch deine eigene Perspektive zum Bestandteil der Übung: Du entwickelst eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, an diesem Platz zu sein und von dort aus die Kerze zu betrachten. „Aktiv“ bedeutet dabei, dass du diesen Standort bewusst einnehmen, beibehalten und verändern kannst, während du die auftauchenden Inhalte zunächst geschehen lässt. Hier knüpfen wir an die Emotionskontrolle an, indem wir die zuvor erarbeitete Offenheit in diese Perspektive einbeziehen.
Eine verwandte Beobachterhaltung findet sich im Antar Mouna des Satyananda-Yoga, wo Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke aus einer möglichst unvoreingenommenen Zeugenhaltung wahrgenommen werden. Die Gemeinsamkeit liegt im aufmerksamen Beobachten ohne unmittelbares Eingreifen; der räumliche Standort des Beobachters wird in dieser Darstellung jedoch nicht als eigener Übungsschritt eingerichtet. Quelle: Satyananda Yoga
In der Chidakasha-Dharana-Anleitung von „Yoga in Daily Life“ wird die räumliche Vorstellung konkreter aufgegriffen, indem Übende sich in einem Raum vor einer Kerze vorstellen und ihren vorgestellten Körper aus verschiedenen Richtungen betrachten. Quelle: Chidakasha Dharana
Auch Alexander Berzin behandelt in seinen Erläuterungen zur tantrischen Visualisierung im tibetischen Buddhismus ausdrücklich die Frage, von welchem Bezugspunkt aus eine innere Szene erlebt wird und wie dieser beim Aufbau einer komplexeren Vorstellung erhalten bleibt. Quelle: Alexander Berzin
Die genannten Ansätze zeigen, dass sowohl die beobachtende Haltung als auch die bewusste Gestaltung innerer Perspektiven bereits in unterschiedlichen Übungswegen beschrieben werden. Unser Schwerpunkt liegt darauf, räumliche Orientierung und emotionale Offenheit Schritt für Schritt miteinander zu verbinden, sodass du deine Beobachterposition erkennen, wieder einnehmen und bewusst verändern kannst.
Übung1 - Einleitung

Übung -Chidakasha Dharana aus "Yoga in Daily Life" Stufe 7
Als Einleitung in dieses Thema lass uns mit einer Übung aus der Chidakasha Dharana beginnen:
Setze dich bequem hin und finde eine Haltung, in der du einige Minuten entspannt bleiben kannst. Schließe die Augen, lockere deine Schultern und lass deinen Atem in seinem natürlichen Rhythmus fließen. Nimm zunächst wahr, was sich vor deinem inneren Blick zeigt, etwa Dunkelheit, Helligkeit oder wechselnde Muster. Lass auftauchende Gedanken und Gefühle weiterziehen, ohne sie festzuhalten oder unmittelbar zu bewerten.
Stelle dir anschließend einen ruhigen Raum vor, in dem du auf einem selbst gewählten Platz sitzt. Für den Anfang genügt eine einfache räumliche Vorstellung, bei der du ungefähr weißt, wo sich dein Sitzplatz befindet. Etwa einen Meter vor dir steht eine brennende Kerze auf einem kleinen Tisch. Lass dir Zeit, die Kerze und das Licht wahrzunehmen, das sie in deiner Vorstellung verbreitet.
Richte deine Aufmerksamkeit nun darauf, von welchem Standort aus du die Kerze betrachtest. Erkunde, ob du auf die Flamme hinabschaust oder sie ungefähr auf Augenhöhe siehst und welchen Abstand du zu ihr erlebst. Bleibe einige Atemzüge bei dieser Perspektive, damit du ihre räumlichen Merkmale kennenlernen und wiedererkennen kannst. Stelle dir anschließend, wenn es dir leichtfällt, die Szene von der Seite vor, sodass du auch deinen dort sitzenden Körper betrachtest.
Dein vorgestellter Körper bleibt dabei auf seinem Platz, während du den Blickpunkt veränderst, von dem aus du die Szene wahrnimmst. Achte darauf, wie Körper, Tisch und Kerze aus dieser seitlichen Ansicht zueinander angeordnet erscheinen. Wenn diese Vorstellung gelingt, kannst du zusätzlich eine Ansicht von hinten oder von vorne erkunden. Kehre anschließend zu der Perspektive zurück, aus der du selbst vor der Kerze sitzt, und achte darauf, woran du diesen Wechsel bemerkst.
Falls die Vorstellung undeutlich bleibt oder verschwindet, lass sie zunächst los und beobachte deinen Atem, bevor du einen neuen Versuch beginnst. Beende die Übung, indem du das innere Bild ausklingen lässt, den Kontakt zur Sitzunterlage wahrnimmst und die Augen öffnest. Welche Perspektive konntest du am leichtesten einnehmen und wiedererkennen? Woran hast du bemerkt, dass du deinen Blickpunkt verändert hast: an der Ansicht der Gegenstände, ihrer räumlichen Anordnung oder deinem Gefühl, dich an einer anderen Stelle zu befinden?
Übung 2 - passive Beobachterposition
Horizontale Linie mit fühlbaren Zwischenraum zu deiner visuellen Position. Positioniere davor die Gedankenprojektionsfläche.

Gedankenprojektionsfläche aus der Übung Modul 2 - Kapitel 3:

In dieser Übung wird nun eine passive Position errichtet
In diesen Übungen unterscheide ich zwischen passiven und aktiven Beobachterpositionen. Als passive Beobachterposition bezeichne ich einen rein visuellen Bezugspunkt, von dem aus du deine Innenwelt betrachtest. Diese Position dient zunächst der Orientierung und dem Beobachten der dargestellten Szene. Eine solche Perspektive richtest du in dieser Übung ein; die aktive Beobachterposition folgt im nächsten Schritt.
Übung 2: Eine passive Beobachterposition einrichten
Beginne mit der Übung „Raum erschaffen“ aus Modul 2, Kapitel 2, und nimm dir für den Aufbau ausreichend Zeit.
Wenn die horizontale Linie in deiner Vorstellung in die Ferne rückt, achte darauf, wie du den Abstand zwischen dir und dieser Linie erlebst. Lass daraus eine räumliche Vorstellung entstehen und nutze die Linie als Horizont.
Platziere nun die 2D-Gedankenprojektionsfläche zwischen deinem Blickpunkt und dem Horizont. Richte sie waagerecht aus, als läge sie auf einer gedachten Bodenebene vor dir. Nutze das Bild zur Orientierung: Du blickst leicht von oben auf die Fläche, während die Horizontlinie weiter entfernt sichtbar bleibt.
Nimm zunächst nur diese Anordnung wahr. Die Fläche liegt vor dir, der Horizont dahinter, und du betrachtest beides von deinem gewählten Bezugspunkt aus. Damit hast du die grundlegenden Elemente dieser Übung zusammengeführt.
Bleibe nun einige Minuten bei dieser Ansicht und lasse die Anordnung möglichst unverändert. Betrachte die Begrenzung der Fläche, ihre Rasterstruktur und ihren Abstand zum Horizont. Achte dabei auch darauf, aus welcher Höhe und Richtung du auf die Fläche schaust.
Falls die Vorstellung undeutlicher wird, orientiere dich erneut an der Horizontlinie und der Position der Fläche. Für den Einstieg genügt es, ihre räumliche Anordnung wiederzuerkennen. Gib dir Zeit, mit dieser Perspektive vertraut zu werden.
Du kannst außerdem wahrnehmen, welche Stimmung das Betrachten begleitet, ohne sie sofort erklären oder verändern zu müssen. Wenn du deine Beobachtungen beschreiben möchtest, kannst du dies anschließend tun.
Diese einfache Anordnung bildet eine Grundlage für weitere Übungen. Wie lange du sie aufrechterhalten kannst und wie viel Aufmerksamkeit du dafür benötigst, erkundest du in deinem eigenen Tempo. Für die nächste Übung kannst du die Vorstellung beibehalten oder sie anhand der vertrauten Bezugspunkte erneut aufbauen.
Übung 3 - aktive Beobachterposition

Was ist eine aktive Beobachterposition?
Du hast nun einen Horizont und eine 2D-Gedankenprojektionsfläche, die du aus deiner inneren Beobachterposition heraus betrachtest. In dieser Übung bauen wir auf dieser Anordnung auf und nehmen eine Perspektive innerhalb der dargestellten Szene ein.
Übung 3 – Aktive Beobachterposition
Dazu positionieren wir dein Ich nun im Zentrum der 2D-Fläche. Das heißt: Du als Person nimmst gedanklich in der Mitte der Projektionsfläche Platz und setzt dich dort im Schneidersitz hin.
Beobachte das Geschehen zuerst aus deiner passiven Position. Schau, wie du in der Mitte der Projektionsfläche erscheinst und dich anschließend hinsetzt. Lass also nicht einfach eine sitzende Person erscheinen, sondern beobachte, wie du dich langsam hinsetzt. Verfolge diesen Vorgang bewusst.
Die Meta-Projekt-Musikliste oder eine eigene Musikliste kann dich bei diesen Abläufen unterstützen.
Halte nun deine passive Position und betrachte die sitzende Person, die du selbst bist. Erkenne dich selbst in dieser Szene.
Was passiert hier genau? Du befindest dich vielleicht auf deiner Übungsmatte oder sitzt vor deinem Monitor. Deine körperlichen Augen sind offen, und dennoch schaust du aus deiner passiven Position auf das Setup deiner Innenwelt.
Öffne nun langsam deine inneren Augen, während dein inneres Ich auf der 2D-Fläche sitzt. Schau aus dieser sitzenden Ich Position über die Fläche hinweg zum Horizont.
Während du zuvor aus deiner passiven Position auf das Setup geblickt hast, schaust du jetzt aus der Innenperspektive deines inneren Ichs auf die Projektionsfläche. Aktiv bedeutet hier: Du bist nun selbst Teil des Setups und nicht mehr nur ein passiver Beobachter des Geschehens.
Dieser Schritt kann eine einschneidende Erfahrung sein. Für andere ist diese Art des inneren Erlebens vielleicht bereits vertraut oder selbstverständlich. Wenn es beim ersten Mal noch nicht gelingt, ist das kein Problem: Der erste Durchlauf soll dir vor allem zeigen, wie der Ablauf ist und worum es geht.
Das Gelingen der Übung und ein aktives Erleben aus der sitzenden Position heraus sind keine Selbstverständlichkeit. Lass dir deshalb Zeit und wiederhole die Übung an anderen Tagen, wenn es nicht sofort geklappt hat.
Wenn du die Augen deines inneren Ichs öffnest, blickst du aus deiner sitzenden Position über die 2D-Fläche hinweg zum Horizont. Beim ersten Mal siehst du vielleicht nur das visuelle Bild aus diesem Blickwinkel, und das reicht vollkommen aus. In dem Moment, in dem du diese innere Ich-Perspektive erkennst, hast du das Ziel von Übung 3 erreicht.
Versuche nun, das Szenario zu stabilisieren. Halte deine Position und deine Blickrichtung bei. Du schaust über die Projektionsfläche hinweg zum Horizont und was geschieht währenddessen mit dem passiven Beobachter? Ist dieser noch da? Kannst du auf dein inneres Ich hinabschauen und gleichzeitig aus dessen Perspektive über die Projektionsfläche blicken? Was ist mit deinem äußeren Ich? Kann es währenddessen diese Zeilen lesen und verarbeiten? Wie groß ist die Fläche im Vergleich zu dem Menschen darauf?
Dieser Moment der Erkenntnis kann sich tief und eindrücklich anfühlen. Du kannst ihn zunächst für sich stehen lassen und auf dich wirken lassen. Auch der Austausch darüber kann hilfreich sein. Wenn du einen Kommentar dazu schreiben möchtest, kannst du das unter einem meiner Videos tun. Ich lese alle Kommentare unter meinen Videos.
Wenn du dich bereit fühlst, weiterzugehen, machen wir mit der nächsten Übung weiter. Wenn du eine Pause einlegen möchtest, nimm dir die Zeit, die du benötigst.
Innenwelt Simulation

Du erlebst gerade eine eigene Innenwelt Simulation
Du hast nun eine aktive Beobachterposition auf einer Simulierten 2D Struktur eingenommen. Ab jetzt müssen wir sehr genau unterscheiden zwischen den Worten welche nun verwendet werden.
Der Ort an dem du dich befindest ist die Projektionsebene deiner Innenwelt. Die Projektionsebene selbst ist aber nicht die 2D Struktur auf welcher zu sitzt sondern die Begrenzung des gesamten System in welchen du gerade eine aktive Simulation erzeugt hast.
Deine Beobachterposition ist also ein Bezugspunkt innerhalb deiner eigenen Simulation. Was passiert hier also genau:
Du sitzt als Beobachter innerhalb einer Simulation deiner eigenen Innenwelt und bist nun selbst innerhalb dieser Simulation zumindest Visuell verortet. In diesen Übungen geht es also nur um Räumliche Orientierung innerhalb dieses Simulationsmodells.
Also lass es mich mit folgenden Worten zusammenfassen:
Deine Beobachterposition befindet sich innerhalb einer von dir erzeugten Simulation. Der Simulationsbereich wiederum ist Teil der Projektionsebene.
Nachwort
Wenn du das Gefühl hast, dass jetzt alles sehr schnell geht, nimm dir Zeit, dich in Ruhe mit diesen Themen zu beschäftigen. Die Übungen dieses Kapitels sind kein Sprint. Gehe in dem Tempo vor, das für dich richtig ist, und wiederhole einzelne Schritte, wenn du dich mit ihnen noch vertrauter machen möchtest.
Vielleicht gelingt dir eine stabile Beobachterposition schon früh, vielleicht benötigst du dafür mehrere Wochen oder Monate. Entscheidend ist dein eigenes Erleben und die Zeit, die du brauchst, um dich darin zu orientieren.
Ich wünsche dir gutes Gelingen und wertvolle Erfahrungen mit diesem Kapitel.
Quellen und fachliche Einordnung
Die Übungen dieses Kapitels verbinden bildhafte Vorstellung, räumliche Orientierung und das bewusste Einnehmen einer inneren Perspektive. Für diese Bestandteile gibt es Anknüpfungspunkte in der psychologischen und neurowissenschaftlichen Forschung sowie in philosophischen Theorien des Selbsterlebens. Die folgenden sechs Quellen helfen dabei, die Inhalte dieses Kapitels einzuordnen und einzelne Zusammenhänge weiterzuverfolgen.
Wenn du in Übung 2 einen Horizont und eine Gedankenprojektionsfläche aufbaust, arbeitest du mit visueller Vorstellung. Ganis, Thompson und Kosslyn untersuchten, welche Hirnregionen beim Betrachten und beim Vorstellen von Gegenständen beteiligt sind. Dabei fanden sie deutlich überlappende, zugleich unterscheidbare Aktivierungsmuster. Visuelle Vorstellung greift demnach teilweise auf dieselben Verarbeitungsgrundlagen zurück wie das tatsächliche Sehen. Der Bezug zu dieser Übung liegt im bewussten Aufbau einer bildhaften Darstellung: Horizont und Fläche geben deiner Vorstellung eine Anordnung, auf die du deine Aufmerksamkeit richten kannst. Ihre konkrete Gestaltung gehört zu meinem Übungsmodell. Ganis, Thompson & Kosslyn, 2004
Der Übergang zur aktiven Beobachterposition in Übung 3 betrifft einen weiteren Forschungsbereich: das gedankliche Verändern der eigenen Bezugsperspektive. Zacks und Kollegen ließen Versuchspersonen räumliche Beziehungen entweder aus ihrer eigenen Sicht oder aus der Perspektive einer dargestellten menschlichen Figur beurteilen. Dieser Wechsel zeigte sich sowohl in den Antwortzeiten als auch in der neuronalen Aktivität. Eine verwandte Aufgabenstellung begegnet dir, wenn du zunächst deine sitzende innere Figur betrachtest und anschließend aus deren Position über die Fläche zum Horizont blickst. Der wissenschaftliche Vergleich bezieht sich hier auf die Fähigkeit, eine andere räumliche Perspektive einzunehmen. Zacks et al., 1999
Damit verbunden ist die Frage nach der erlebten Selbstlokalisation: Wo empfindest du dich selbst, und von welchem Standort aus scheint dein Erleben organisiert zu sein? Ionta und Kollegen untersuchten, wie gezielte Veränderungen zusammenwirkender Seh-, Berührungs- und Gleichgewichtsinformationen den erlebten eigenen Standort beeinflussen. Dabei fanden sie Zusammenhänge mit der Erstpersonperspektive und der Aktivität am temporoparietalen Übergang. Für die Beobachterübungen ist besonders die Unterscheidung zwischen einem vorgestellten Blickwinkel und dem Gefühl interessant, selbst an diesem Ort anwesend zu sein. Du kannst beide Merkmale getrennt erkunden. Die Studie bietet dafür einen wissenschaftlichen Vergleichsrahmen, untersucht jedoch eine technische Versuchsanordnung und nicht die hier beschriebene Vorstellungsübung. Ionta et al., 2011
Auch die Verbindung zwischen Perspektive und emotionalem Erleben wurde experimentell untersucht. Holmes, Coughtrey und Connor ließen Versuchspersonen positive Situationen entweder durch die eigenen Augen oder aus einer beobachtenden Außenperspektive vorstellen. Nach der Vorstellung aus der eigenen Augenperspektive fiel die Stimmung positiver aus als nach der Außenperspektive oder einer rein sprachlichen Beschäftigung mit den Situationen. Das zeigt für diese Versuchsanordnung, dass die Perspektive die emotionale Wirkung einer Vorstellung mitbestimmen kann. Hier besteht ein Bezug zur Verbindung von Beobachterposition und Emotionskontrolle in diesem Kapitel: Du erkundest sowohl deinen inneren Blickpunkt als auch die Stimmung, die dein Erleben begleitet. Der Befund bedeutet dabei nicht, dass eine bestimmte Perspektive grundsätzlich Offenheit oder Ruhe erzeugt. Holmes, Coughtrey & Connor, 2008
Die Aufforderung, auftauchende Inhalte aufmerksam wahrzunehmen, berührt außerdem die Forschung zur Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf das gegenwärtige Erleben. Farb und Kollegen unterschieden zwischen dem Nachdenken über eigene überdauernde Eigenschaften und dem unmittelbaren Beachten gegenwärtiger Erfahrungen. Die beiden Aufgaben gingen mit unterschiedlichen neuronalen Aktivierungsmustern einher; bei Teilnehmenden mit Achtsamkeitstraining war diese Unterscheidung deutlicher ausgeprägt. Der Bezug zu den Übungen liegt in der beobachtenden Haltung: Du richtest deine Aufmerksamkeit auf die gerade erlebte Szene und ihre Begleiterscheinungen. Diese Qualität der Aufmerksamkeit ergänzt im vorliegenden Modell die räumliche Einrichtung des Beobachters. Farb et al., 2007
Für den Abschnitt „Innenwelt Simulation“ bietet Thomas Metzingers Selbstmodell-Theorie der Subjektivität einen theoretischen Bezug. Metzinger beschreibt das bewusste Selbsterleben als Ergebnis von Darstellungs- und Informationsverarbeitungsprozessen. Das bewusste Selbstmodell ist seiner Theorie zufolge in ein umfassenderes Weltmodell eingebettet. Dazu lässt sich eine strukturelle Analogie herstellen, wenn du in dieser Übung eine innere Umgebung aufbaust und dich selbst innerhalb dieser Umgebung darstellst. Der Vergleich betrifft das Verhältnis zwischen Selbstdarstellung, Umgebung und Ich-Perspektive. Deine bewusst vorgestellte Figur ist dabei nicht mit dem gesamten Selbstmodell im Sinne Metzingers gleichzusetzen; seine Theorie behandelt auch das gewöhnliche, nicht absichtlich erzeugte Selbsterleben. Thomas Metzinger: Die Selbstmodell-Theorie der Subjektivität
Die Begriffe „passive Beobachterposition“, „aktive Beobachterposition“, „Gedankenprojektionsfläche“ und „Projektionsebene“ gehören zum Modell dieser Webseite. Die genannten Quellen ermöglichen wissenschaftliche und theoretische Vergleiche mit einzelnen Bestandteilen dieses Modells. Sie liefern keine Überprüfung der gesamten Übungsfolge und keinen Nachweis einer geometrischen Projektionsebene im Gehirn. Auch die Frage, wie mehrere Perspektiven gleichzeitig oder im Wechsel erlebt werden, bleibt innerhalb dieser Übungen eine Einladung zur genauen Selbstbeobachtung.
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Die auf dieser Seite beschriebene Methode dient der persönlichen Reflexion und Selbstentwicklung. Sie ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung, medizinische Beratung oder professionelle Therapie.
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