Raum erschaffen
Was ist Raum für dein Ich wirklich und wie wird er erschaffen
Einleitung
Der 3D-Raum bildet die Grundlage unserer visuellen Wahrnehmung. Unabhängig davon, wie die Welt im Außen tatsächlich beschaffen ist, erlebt unser Ich sie in drei Raumdimensionen. In der Physik können weitere Dimensionen gedacht oder modelliert werden; vielleicht besitzt die äußere Wirklichkeit mehr als drei Dimensionen, vielleicht ist ihre Struktur aber auch ganz anders, als wir sie erleben.
In diesem Kapitel erwartet dich eine neue Perspektive auf Raum und Wirklichkeit verbunden mit einer meditativen Übung, durch die du die Tiefe dieses Themas selbst erfahren kannst.
Alle Übungen benötigen eine Stabilen, Nüchternen Zustand und sind exakt darauf abgestimmt.
Die Welt in uns

Was wir erleben ist nur eine Vorstellung von der Welt
Was unterscheidet den Raum, den ich „außen“ nenne, eigentlich grundsätzlich von einem Raum, den meine Vorstellung ohne einen aktuellen äußeren Reiz erzeugt?
Wir wissen bereits aus Modul 1, dass unser Gehirn eine innere Welt erzeugt, die unser Ich als Teil seines Selbstmodells erlebt. Du siehst die Außenwelt also nicht unmittelbar. Was du erlebst, ist eine vom Gehirn erzeugte Wahrnehmungswelt, die auf Informationen aus deinen Sinnesorganen basiert.
Farben beispielsweise existieren nicht außerhalb von uns in genau der Form, in der wir sie erleben. In der Außenwelt treffen elektromagnetische Strahlungen unterschiedlicher Wellenlängen auf unsere Augen. Erst unser Wahrnehmungssystem macht daraus das bewusste Erlebnis von Rot, Blau oder Grün.
Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der äußeren Wirklichkeit für uns unsichtbar. Ultraviolettes Licht kann vorhanden sein, ohne dass du es sehen kannst. Was du wahrnimmst, ist also immer nur ein Ausschnitt dessen, was außerhalb von dir geschieht und selbst dieser Ausschnitt erscheint dir bereits in einer vom Gehirn übersetzten Form. Du erlebst Farben statt Wellenlängen und Klänge statt der physikalischen Druckschwankungen, aus denen dein Hörsystem sie erzeugt.
Dieser Unterschied ist für das folgende Kapitel entscheidend: Wir erleben niemals die Außenwelt unabhängig von unserem Wahrnehmungssystem, sondern immer eine innere Darstellung, die durch äußere Signale beeinflusst und fortlaufend aktualisiert wird.
Die Vorstellung, dass Wahrnehmung keine passive Kopie der Außenwelt ist, sondern auf aktiven inneren Modellen des Gehirns beruht, ist heute ein zentraler Bestandteil vieler neurowissenschaftlicher Ansätze. Nähere Grundlagen dazu findest du in Modul 1, Kapitel 1: „Das Selbstmodell wissenschaftlich erklärt“.
Deine Position zur Welt

Wie dein Ich sich in der Außenwelt bewegt
Der Raum im Außen ist für uns niemals direkt erkennbar, sondern zunächst eine Annahme über die Ursache unserer Wahrnehmung. Unsere Augen liefern dem Gehirn zweidimensionale Projektionen. Aus diesen Informationen beider Augen, unserer Bewegung und weiteren Sinnesdaten entsteht daraus ein räumliches Modell der Außenwelt.
Unser Ich erlebt diese erzeugte 3D-Welt anschließend so, als befände es sich mitten in ihr. Doch das Ich selbst kann niemals unmittelbar in jener Außenwelt stehen, die es wahrnimmt. Es erlebt immer nur die vom Gehirn erzeugte Darstellung dieser Welt mitsamt ihrer räumlichen Tiefe, ihren Entfernungen und ihrer scheinbaren Position um uns herum.
Stell dir vor, du stehst vor einem Tisch. Du gehst nun langsam um ihn herum und betrachtest ihn dabei von verschiedenen Seiten. Aus unserer gewohnten Sichtweise ist vollkommen klar, was passiert: Du bewegst dich durch den Raum, während der Tisch an seinem Platz stehen bleibt.
Doch für einen Moment betrachten wir denselben Vorgang nicht aus der Außenwelt, sondern nur aus deiner eigenen Wahrnehmung heraus.
Während du dich bewegst, bleibt dein Ich immer der Mittelpunkt deines Erlebens. Du erlebst dich nicht plötzlich von außen dabei, wie du um den Tisch herumläufst. Stattdessen verändert sich das Bild des Tisches fortlaufend relativ zu dir. Eine Seite verschwindet aus deinem Blick, eine andere wird sichtbar, Kanten verändern ihren Winkel und der Hintergrund verschiebt sich. Auch der gesamte Raum um den Tisch herum verändert seine Darstellung abhängig davon, wie du dich bewegst.
Aus Sicht deiner Innenwelt geschieht deshalb etwas Bemerkenswertes: Nicht dein Ich scheint sich durch eine direkt zugängliche Außenwelt zu bewegen, sondern die Darstellung dieser Außenwelt verändert sich fortlaufend um deine eigene Wahrnehmungsposition herum. Der Tisch dreht sich also in deiner Wahrnehmung um dich herum und nicht du um den Tisch.
Das bedeutet nicht, dass der Tisch sich physikalisch tatsächlich um dich dreht. Aus Sicht der Außenwelt bewegst selbstverständlich du dich um den Tisch. Doch aus Sicht deines unmittelbaren Erlebens ist die Richtung genau umgekehrt: Dein Ich bildet den Bezugspunkt, und die wahrgenommene Welt verändert sich relativ zu diesem Mittelpunkt.
Beide Betrachtungen beschreiben denselben Vorgang. Die eine betrachtet ihn von außen, die andere von innen. Welche davon wirklich wahr ist, können wir nur vermuten aber nicht wissen.
Was ist Raum wirklich?

Der Raum als Basis zur visuellenWahrnehmung
In deiner Innenwelt nimmst du den Raum also gar nicht direkt wahr, sondern was du erlebst ist eine 2D Version einer 3 Dimensionallen indirekten Darstellung. Der Tisch wandert um deine Ich Position herum aber für dein Ich wirkt es, als würde das Ich selbst um den Tisch herum gleiten.
Wenn du deine Augen öffnest, erlebst du eine Welt voller räumlicher Tiefe. Doch diese Tiefe ist nicht dasselbe wie ein frei zugänglicher Raum in deiner Innenwelt. Du kannst nicht einfach hinter einen wahrgenommenen Tisch treten, ohne deinen Körper zu bewegen deine Wahrnehmung bleibt an die Informationen deiner Sinne gebunden.
In deiner Gedanklichen inneren Vorstellung kann das anders sein. Dort kannst du einen Tisch erzeugen, seine Position verändern, die Perspektive wechseln oder einen ganzen Raum um ihn herum entstehen lassen.
Genau diese beiden Formen von Räumlichkeit müssen wir zunächst voneinander trennen. Denn in der folgenden Übung werden wir uns nicht mit der Tiefe beschäftigen, die uns die Außenwelt liefert. Wir werden versuchen, einen echten Raum innerhalb der eigenen Innenwelt selbst entstehen zu lassen.
Raum als Volumen der Innenwelt

Raum in der Innenwelt und Raum im Universum
Raum in unserer Innenwelt ist keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, das überhaupt erst entstehen muss. Wenn du dir beispielsweise einen Apfel vorstellst, braucht dieser nicht nur Form, Farbe und Größe, sondern auch ein räumliches Volumen, in dem er erscheinen kann.
Selbst ein vollkommen leerer innerer Raum ist deshalb bereits etwas Erzeugtes und nicht einfach nur „nichts“. In der Außenwelt nehmen wir Raum gewöhnlich als selbstverständlich hin, weil er uns permanent umgibt und jede Wahrnehmung bereits räumlich geordnet erscheint. In der Innenwelt wird dagegen deutlicher, dass Raum selbst Teil der Simulation sein muss, bevor sich darin überhaupt etwas befinden kann. Erst wenn Ausdehnung, Entfernung, Richtung und Tiefe entstehen, kann ein inneres Objekt eine räumliche Position erhalten.
Die Fähigkeit dazu ist unbewusst bereits in uns angelegt, doch normalerweise achten wir nicht darauf, weil unser Gehirn diese Strukturen automatisch erzeugt. Für tiefere meditative Zustände wird jedoch entscheidend, zu verstehen, wie dieser innere Raum entsteht und wie bewusst auf ihn eingewirkt werden kann.
Wenn wir hier von Raum sprechen, meinen wir deshalb keinen Raum im Sinne eines Zimmers, sondern Raum als Volumen, Ausdehnung und räumliche Struktur. Ähnlich wie wir auch beim Universum fragen können, wie Raum überhaupt entstanden ist, können wir in der Innenwelt untersuchen, ab welchem Moment aus scheinbarer Leere tatsächlich erfahrbare Räumlichkeit wird. Aufmerksamkeit, Vorstellung und Emotion spielen dabei zusammen und beeinflussen, wie weit, tief, fein und präsent dieser innere Raum erlebt wird.
Genau darum geht es in diesem Kapitel: nicht nur darum, etwas in deiner Innenwelt zu platzieren, sondern darum, den Raum selbst bewusst entstehen zu lassen, zu strukturieren und schließlich zu kontrollieren.
Emotionskontrolle und Vorbereitung

Emotionskontrolle und weitere Faktoren
Um die ersten tieferen meditativen Ebenen erreichen zu können, spielt der bewusste Umgang mit Emotionen eine wichtige Rolle. In dieser Arbeit dienen Emotionen nicht nur dazu, bestimmte innere Zustände zu öffnen, sondern auch dazu, Raum und Objekte in der Innenwelt intensiver wahrzunehmen und gezielter zu beeinflussen.
Dieses Thema wird später noch ausführlicher behandelt. In der folgenden Übung werden wir diese Form der Emotionssteuerung jedoch bereits bewusst einsetzen.
Vorbereitung der Übung
Was du benötigst:
Du kannst die Übung im meditativen Sitzen auf deiner Übungsmatte oder direkt in deinem Frequenzraum durchführen.
Bereite die Songs „Cry No More“ von Vaults und „Fill Me Up“ von Henry Saiz & Cornelia vor. Beide findest du auch in der Playlist von MetaProjekt-Selbstmodell. Den Spotify-Link findest du unter diesem Text.
Der Raum sollte möglichst abgedunkelt und ruhig sein. Schließe nach Möglichkeit das Fenster und reduziere äußere Geräusche und andere Ablenkungen.
Grober Ablauf
Bereite zunächst beide Songs oder die entsprechende Meta-Playlist vor und begib dich anschließend in deine meditative Position. Der erste Song wird genutzt, um gezielt eine emotionale Grundstimmung aufzubauen und bewusst zu beobachten. Innerhalb dieses Zustands beginnt anschließend die visuelle Raumübung. Im weiteren Verlauf wird zum zweiten Song gewechselt und die zuvor erzeugte räumliche Erfahrung weitergeführt und vertieft.
Übung Raum erschaffen

Raumstruktur mit Gitterlinien: Die Struktur kann in dieser oder ähnlicher Form dargestellen, während sie sich nach und nach immer feiner im Raum auflöst.

Durchführung der Meditativen Übung
Einleitung – in die Stille kommen
Beginne die Übung zunächst mit einigen Minuten Stille. Nimm deine meditative Position ein und gib deinem Körper etwa drei bis fünf Minuten Zeit, ruhiger zu werden. Atmung und körperliche Aktivität dürfen sich dabei von selbst beruhigen, ohne dass du etwas erzwingen musst.
Richte deine Aufmerksamkeit zunehmend auf das Hier und Jetzt. Probleme des Alltags, vergangene Situationen oder Gedanken an das, was später noch geschehen soll, dürfen für diesen Moment in den Hintergrund treten. Gedanken müssen dabei nicht aktiv unterdrückt werden. Wenn ein Gedanke erscheint, nimm ihn kurz wahr, aber führe ihn nicht weiter. Bewerte ihn nicht und beginne keine neue Geschichte daraus. Auf diese Weise kann deine Innenwelt zunehmend ruhiger und inhaltsärmer werden.
Loslassen
Wenn du innerlich zur Ruhe gekommen bist, starte die Playlist mit dem ersten Song „Cry No More“ von Vaults. Die Lautstärke sollte angenehm leise sein ungefähr zwischen Flüstern und einer leisen Gesprächslautstärke. Die Musik soll dich begleiten und nicht deine Aufmerksamkeit vollständig übernehmen.
Das einsetztende Glockenspiel am Anfang kannst du nutzen, um noch vorhandene Gedanken weiter loszulassen. Höre einfach zu, ohne den Klang analysieren zu wollen. Lass dich nun zunehmend auf die Stimmung des Songs ein. Etwa ab 100 Sekunden beginnt die eigentliche Innenweltübung.
Emotion erzeugen und kontrollieren
Stelle dir nun in deiner Innenwelt eine einfache weiße Linie vor.
Positioniere sie horizontal vor dir, ähnlich wie eine Horizontlinie. Versuche zunächst nicht, daraus bereits einen vollständigen Raum entstehen zu lassen. Die Linie soll einfach nur dort sein. Während du sie hältst, lässt du dich gleichzeitig stärker auf die emotionale Stimmung der Musik ein.
Die Zielrichtung ist eine leichte melancholische Traurigkeit. Es geht nicht darum, möglichst intensive Trauer hervorzurufen. Eine sanfte melancholische Färbung reicht vollkommen aus. Falls die Musik zwischen ungefähr Sekunde 100 und 140 diese Stimmung noch nicht ausreichend hervorruft, kannst du eine persönliche Erinnerung nutzen. Wähle dafür keine extrem belastende oder traumatische Situation, sondern eine Erinnerung, mit der eine milde Form von Traurigkeit oder Melancholie verbunden ist.
Rufe die Erinnerung kurz auf und nimm das entstehende Gefühl wahr. Danach lässt du den Inhalt der Erinnerung wieder los. Die Personen, Bilder und Ereignisse werden unwichtig. Was zurückbleiben soll, ist lediglich der emotionale Nachklang. Die Musik wird dir genau in diesem Moment dabei helfen, diese Emotion zu stabilisieren oder zu verstärken.
Raum erzeugen
Etwa ab Sekunde 140 verändert sich der Klangcharakter des Songs. Nutze diesen Wechsel als Signal, deine Aufmerksamkeit nun vollständig auf den Bereich zwischen deiner Beobachterposition und der horizontalen Linie zu richten. Versuche nicht sofort, einen fertigen Raum vorzustellen. Beginne stattdessen damit, das Dazwischen wahrzunehmen.
Erzeuge nun gedanklich ein feines Gitter zwischen dir und der Linie. Es können kleine Linien, Quadrate, Schnittpunkte oder lediglich räumliche Unterteilungen entstehen. Dieses Gitter muss nicht deutlich sichtbar sein. Vielleicht siehst du nur einzelne Bereiche. Vielleicht entsteht überhaupt kein klares Bild und du kannst die Struktur lediglich räumlich wahrnehmen oder fühlen. Beides ist vollkommen ausreichend.
Entscheidend ist nur, dass der zunächst unbestimmte Bereich zwischen dir und der Linie zunehmend Struktur bekommt. Etwa zwischen Sekunde 150 und 180 beginnst du nun, die horizontale Linie langsam nach hinten zu verschieben. Lass sie immer weiter von deiner Beobachterposition wegziehen. Während sich die Linie entfernt, verfeinerst du gleichzeitig das Gitter zwischen dir und der Linie.
Es entstehen immer mehr räumliche Unterteilungen und immer mehr unterscheidbare Positionen. Der Bereich zwischen dir und der Linie bekommt dadurch zunehmend Tiefe und Ausdehnung. Versuche diesen Vorgang nicht nur visuell zu beobachten. Nutze auch die zuvor aufgebaute Emotion. Lass die melancholische Stimmung gewissermaßen in die zunehmende Weite des Raumes einfließen und nimm gleichzeitig die entstehende Räumlichkeit emotional in dich auf.
Mit zunehmender Feinheit kann das Gitter irgendwann so dicht werden, dass einzelne Linien oder Punkte nicht mehr klar voneinander getrennt erscheinen. Möglicherweise entsteht daraus der Eindruck einer zusammenhängenden Fläche, die sich von deiner Beobachterposition bis zum Horizont erstreckt. Das ist kein notwendiges Ergebnis. Wichtig ist lediglich, dass zwischen deiner Position und der Linie nun ein zunehmend differenzierter räumlicher Bereich wahrnehmbar wird.
Raum prüfen
Ungefähr ab Sekunde 180 bis zum Ende des ersten Songs veränderst du zunächst nichts mehr. Schau auf die Horizontlinie und untersuche den Raum, der zwischen dir und ihr entstanden ist.
Wie weit entfernt erscheint die Linie? Gibt es ein deutliches Dazwischen? Kannst du unterschiedliche Positionen innerhalb dieses Bereiches wahrnehmen? Wirkt der Raum grob oder fein strukturiert? Hat sich die empfundene Entfernung verändert? Versuche nicht, eine bestimmte Antwort zu erzwingen. Beobachte lediglich, was tatsächlich vorhanden ist. Die vielen Gitterpunkte kannst du dir dabei wie räumliche Adressen vorstellen. An jeder dieser Positionen könnte später theoretisch ein Inhalt deiner Innenwelt platziert werden. Je feiner die Struktur wird, desto zahlreicher werden diese möglichen Positionen.
Irgendwann können sie so zahlreich erscheinen, dass sie sich nicht mehr einzeln unterscheiden oder abschätzen lassen. Sie verschwimmen in der Tiefe des Raumes, den du gerade aufgebaut hast.
Raum stabilisieren
Nach dem Ende des ersten Songs wechselst du zu „Fill Me Up“ von Henry Saiz & Cornelia. Verändere zunächst nichts. Halte für ungefähr die ersten 60 Sekunden einfach den entstandenen Raum und deine eigene Beobachterposition so ruhig wie möglich.
Du musst den Raum dabei nicht aktiv festhalten oder ständig neu erzeugen. Richte lediglich deine Aufmerksamkeit immer wieder auf seine vorhandene Struktur. Ab ungefähr Sekunde 60 beginnst du, den Raum als Ganzes wahrzunehmen. Versuche nicht mehr, einzelne Gitterpunkte zu verfolgen. Fühle seine Ausdehnung. Nimm seine Tiefe wahr. Erfasse die Entfernung zwischen deiner Position und dem Horizont.
Wenn es sich natürlich anfühlt, kannst du deine Beobachterposition nun leicht verändern. Beispielsweise kannst du sie etwas nach oben verschieben, um den entstandenen Bereich besser überblicken zu können. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Perspektive zu erreichen. Du prüfst lediglich, ob sich deine Beobachterposition innerhalb der erzeugten räumlichen Struktur verändern lässt.
Den Raum betreten
Ab ungefähr Minute 2 des zweiten Songs kannst du beginnen, deine Beobachterposition innerhalb des Raumes frei zu verändern. Versuche zunächst nur, dich relativ zu ihm zu bewegen. Vielleicht entsteht dabei das Gefühl, über eine Fläche zu gleiten, darauf zu laufen oder frei durch den Raum zu schweben. Vielleicht verändert sich lediglich deine Perspektive, ohne dass daraus eine deutliche Bewegung entsteht.
Lass offen, wie sich dieser Vorgang für dich entwickelt. Wenn noch eine Bodenfläche oder ein deutliches Raster vorhanden ist, kannst du es zunächst als Orientierung verwenden. Ebenso kann die Horizontlinie weiterhin bestehen bleiben. Sobald der Raum ausreichend stabil erscheint, kannst du versuchen, diese Hilfsstrukturen langsam zu reduzieren.
Löse beispielsweise zunächst die Horizontlinie auf. Beobachte, ob die räumliche Tiefe trotzdem bestehen bleibt. Danach kannst du – falls vorhanden – auch das sichtbare Raster oder die Bodenfläche abschwächen. Wenn die räumliche Struktur dennoch erhalten bleibt, benötigst du ihre ursprünglichen Hilfslinien nicht mehr. Der Raum kann nun als Grundlage für weitere Übungen genutzt werden.
Genau darin liegt das Ziel dieser Übung: Du hast nicht einfach ein Objekt innerhalb deiner Vorstellung erzeugt, sondern versucht, die räumliche Struktur selbst bewusst aufzubauen, zu verfeinern, zu stabilisieren und schließlich innerhalb dieser Struktur deine eigene Beobachterposition zu verändern. Raum und Emotion bilden dabei eine Grundlage für spätere meditative Übungen, in denen innerhalb dieser räumlichen Struktur weitere funktionale Elemente entstehen können.
Wenn die Übung unangenehm wird
Die Übung soll weder erzwungen noch gegen deutlichen inneren Widerstand fortgeführt werden. Wenn eine verwendete Erinnerung unerwartet starke Emotionen auslöst, der innere Zustand unangenehm wird oder du dich nicht mehr wohlfühlst, öffne die Augen und richte deine Aufmerksamkeit wieder vollständig auf deine unmittelbare Umgebung.
Der äußere Raum, dein Körper und die Gegenstände um dich herum können dabei jederzeit als Orientierung dienen. Nutze im Zweifel das Ankersystem um dich zu stabilisieren.
Bewertung der Übung

Was ist hier eigentlich gerade passiert?
Du hast mit dieser Übung einen wichtigen Schritt getan. Einen inneren Raum bewusst zu erfassen, zu strukturieren und zu kontrollieren, bildet die Grundlage für viele der späteren meditativen Übungen in diesem Projekt. Nach meiner Erfahrung kann dieser Vorgang zu einem direkten und zielgerichteten Einstieg in tiefere Sessions werden, ohne dass dafür zwangsläufig stundenlange Meditation oder Konzentration notwendig ist.
Ein Frequenzraum kann diesen Einstieg unterstützen und stabilisieren, ist jedoch keine Voraussetzung. Auch eine resonanzfähige Holz oder Bambusfläche kann genutzt werden, wenn du die tieferen Frequenzen der Musik körperlich wahrnehmen möchtest. Entscheidend ist dabei nicht die technische Ausstattung, sondern dass du bequem sitzt, dich körperlich entspannen kannst und die Musik den inneren Zustand unterstützt. Ebenso kannst du die gesamte Übung einfach im Sitzen auf deiner Übungsmatte durchführen.
Doch was ist während dieser Übung eigentlich geschehen?
Du hast in deiner Innenwelt einen klarer bestimmten und zunehmend adressierbaren räumlichen Bereich aufgebaut. Dieser Raum kann nun als Grundlage für weitere Aktivitäten deines mentalen Ichs genutzt werden. Du kannst nun einen Tisch darin entstehen lassen und diesen unabhängig von deiner eigenen Beobachterposition drehen oder verschieben. Genau darin zeigt sich ein entscheidender Unterschied zur gewöhnlichen Außenwahrnehmung: Du veränderst nicht nur deine Perspektive auf ein Objekt, sondern kannst das Objekt selbst innerhalb des inneren Raumes manipulieren.
Im weiteren Verlauf des Projekts wirst du diesen Raum noch genauer untersuchen und seine innere Dynamik zunehmend verstehen. Für Modul 2 genügt zunächst, dass du lernst, ihn zuverlässig aufzubauen, zu stabilisieren und bewusst zu verändern.
Dieser innere Raum ist dabei nicht mit dem physikalischen Raum der Außenwelt gleichzusetzen. Beide können ähnliche räumliche Eigenschaften besitzen etwa Entfernung, Richtung, Größe und Tiefe, entstehen für dein Erleben jedoch auf unterschiedliche Weise und sollten deshalb zunächst als getrennte Bezugssysteme betrachtet werden.
Der in Modul 1 beschriebene ProjektorRaum ist ein Versuch, diese Form innerer Räumlichkeit einzuordnen und verständlich zu beschreiben.
Mit dieser Übung hast du nun ein wichtiges Werkzeug kennengelernt, mit dem du bewusst und vergleichsweise direkt in tiefere meditative Zustände wechseln kannst. Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel Technik oder möglichst lange Übungszeit, sondern die Fähigkeit, Aufmerksamkeit, Emotion und räumliche Vorstellung gezielt miteinander zu verbinden.
Erst lesen, wenn du die Übung abgeschlossen hast:
Nachwort - Was bleibt?
Zu guter Letzt möchte ich dir noch ein Gedankenspiel mitgeben, das mir auf meinen zahlreichen Reisen durch die eigene Innenwelt immer wieder begegnet ist.
Der innere Raum kann für dein Ich vollkommen real erscheinen. Er besitzt Tiefe, Entfernung, Richtung und Volumen und kann als echte dreidimensionale Erfahrung erlebt werden. Gleichzeitig wissen wir, dass auch die räumliche Außenwelt für unser Ich nur über die Verarbeitung unseres Wahrnehmungssystems zugänglich wird.
Damit entsteht eine interessante Frage:
Worauf bezieht sich dieses dreidimensionale Erleben eigentlich?
Ist die räumliche Struktur unserer Innenwelt entstanden, weil es außerhalb von uns eine physikalische Welt mit drei Raumdimensionen gibt?
Oder könnte die Beziehung auch umgekehrt betrachtet werden: Erlebt unser Selbstmodell die Informationen der Außenwelt deshalb dreidimensional, weil Räumlichkeit bereits eine grundlegende Organisationsform unserer eigenen Innenwelt ist?
Und noch tiefer gefragt:
Erscheint uns die Außenwelt vielleicht deshalb als dreidimensionaler Raum, weil genau dies die Form ist, in der unser Ich Wirklichkeit überhaupt erleben kann?
Falls das so wäre, bliebe eine Frage offen, auf die wir aus unserer eigenen Wahrnehmung heraus keine einfache Antwort bekommen können:
Wie ist die Wirklichkeit außerhalb unseres Erlebens dann tatsächlich beschaffen?
Wissenschaftliche Einordnung und Quellen
Die in diesem Kapitel beschriebene Raumübung, ihr konkreter Aufbau sowie die Verbindung aus Horizontlinie, räumlicher Strukturierung, emotionaler Ausrichtung und anschließender Navigation in der eigenen Innenwelt wurden im Rahmen dieses Projekts aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen entwickelt. Die nachfolgend aufgeführten wissenschaftlichen Quellen stellen daher keine Grundlage oder Anleitung für diese Übung dar und sollen ihre beschriebenen Wirkungen auch nicht als wissenschaftlich bewiesen darstellen.
Sie dienen vielmehr der Einordnung einzelner grundlegender Zusammenhänge, die in diesem Kapitel berührt werden.
Dazu gehört zunächst die Erkenntnis, dass Wahrnehmung keine einfache Kopie der Außenwelt darstellt. Moderne Modelle der Wahrnehmungsforschung beschäftigen sich damit, wie das Gehirn sensorische Informationen mit bereits vorhandenen internen Repräsentationen verbindet und daraus ein kohärentes Wahrnehmungserlebnis erzeugt.
Auch die räumliche Tiefe unserer visuellen Wahrnehmung entsteht nicht als fertiges dreidimensionales Bild in unseren Augen. Unterschiede zwischen den Bildern beider Augen und weitere Tiefenhinweise werden neuronal verarbeitet und tragen zum bewussten Erleben räumlicher Tiefe bei.
Für die Orientierung im Raum verwendet das Gehirn unterschiedliche räumliche Bezugssysteme. Dabei können Positionen beispielsweise relativ zum eigenen Körper egozentrisch oder stärker relativ zur Umgebung allozentrisch repräsentiert werden. Die zugrunde liegenden Prozesse sind komplex und beruhen auf miteinander arbeitenden neuronalen Netzwerken.
Für dieses Kapitel ebenfalls von Bedeutung ist die enge Beziehung zwischen Wahrnehmung und mentaler Vorstellung. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen deutliche Überschneidungen der beteiligten neuronalen Verarbeitung, zugleich sind Wahrnehmung und Vorstellung jedoch nicht identisch. Innere Bilder und räumliche Vorstellungen können somit auf Mechanismen zurückgreifen, die teilweise auch an der Verarbeitung äußerer Wahrnehmungsinhalte beteiligt sind.
Auch die in der Übung verwendete Verbindung von Erinnerung und Emotion besitzt einen wissenschaftlich bekannten Hintergrund. Emotionen beeinflussen autobiografische Erinnerungen, während umgekehrt das bewusste oder unbewusste Abrufen persönlicher Erinnerungen emotionale Zustände hervorrufen und verändern kann.
Musik kann diese Verbindung zusätzlich unterstützen. Untersuchungen zu musikinduzierten autobiografischen Erinnerungen zeigen, dass Musik Erinnerungen und die mit ihnen verbundenen emotionalen Prozesse auslösen oder begleiten kann. Welche Wirkung ein bestimmter Song auf einen einzelnen Menschen besitzt, bleibt dabei jedoch individuell.
Literatur zur weiteren Orientierung
1. Dijkstra, N., Bosch, S. E. & van Gerven, M. A. J. (2019):
Shared Neural Mechanisms of Visual Perception and Imagery. Trends in Cognitive Sciences, 23(5), 423–434.
Die Übersichtsarbeit untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen visueller Wahrnehmung und mentaler Vorstellung.
2. Welchman, A. E. (2016):
The Human Brain in Depth: How We See in 3D. Annual Review of Vision Science, 2, 345–376.
Originalpublikation öffnen
Ein Überblick darüber, wie das menschliche visuelle System unterschiedliche Tiefeninformationen verarbeitet und daraus dreidimensionales Sehen ermöglicht.
3. Ekstrom, A. D. & Isham, E. A. (2017):
Human spatial navigation: Representations across dimensions and scales. Current Opinion in Behavioral Sciences, 17, 84–89.
Die Arbeit behandelt unterschiedliche Bezugssysteme und Strategien, mit denen Menschen räumliche Beziehungen und Navigation organisieren.
4. Pezzulo, G. (2015):
Perceptual inference. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 55, 1–10.
Die Arbeit beschreibt Wahrnehmung als einen Prozess, bei dem sensorische Informationen mit bereits vorhandenen internen Repräsentationen und Erwartungen verarbeitet werden.
5. Faul, L., Ford, J. H. & Kensinger, E. A. (2024):
Update on “Emotion and autobiographical memory”: 14 years of advances in understanding functions, constructions, and consequences. Physics of Life Reviews, 51, 255–272.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit über die wechselseitige Beziehung zwischen Emotionen und autobiografischen Erinnerungen.
6. Kaiser, A. P. & Berntsen, D. (2022):
The cognitive characteristics of music-evoked autobiographical memories: Evidence from a systematic review of clinical investigations. WIREs Cognitive Science, 13(2), e1580.
Die systematische Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit autobiografischen Erinnerungen, die durch Musik hervorgerufen werden, und den damit verbundenen emotionalen und kognitiven Prozessen.
Diese Quellen sollen den wissenschaftlich untersuchten Hintergrund einzelner Aspekte dieses Kapitels sichtbar machen. Die konkrete Methode zum bewussten Aufbau und zur Kontrolle eines inneren Raumes sowie die weiterführenden Überlegungen über das Verhältnis von Innenraum und äußerer Wirklichkeit bleiben davon getrennt. Sie stellen die innerhalb dieses Projekts entwickelte praktische und philosophische Perspektive dar.
Bitte beachten
Die auf dieser Seite beschriebene Methode dient der persönlichen Reflexion und Selbstentwicklung. Sie ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung, medizinische Beratung oder professionelle Therapie.
Bitte beachte:
Eigenverantwortung: Du bist selbst dafür verantwortlich, deine Grenzen wahrzunehmen und bei Bedarf professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen (z. B. Psychotherapeut:in, Trauma-Therapeut:in oder Beratungsstelle).
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